Solomon's Paradox: Warum du bei anderen klüger entscheidest als bei dir selbst
Solomon's Paradox erklärt, warum wir fremde Probleme weiser beurteilen als eigene. Mit der Studie von Grossmann und Kross, dem Prinzip Self-Distancing und konkreten Regeln für deine Website.

Das Problem: Bei anderen siehst du es sofort
Das Prinzip: Weise für andere, blind für sich selbst
- Grenzen des eigenen Wissens erkennen: Ich weiß nicht alles über diese Situation.
- Andere Perspektiven einnehmen: Wie sieht die andere Seite das?
- Kompromisse suchen: Gibt es eine Lösung, die beiden gerecht wird?
- Veränderung mitdenken: Wie könnte sich die Lage entwickeln?

Herkunft und Einordnung
- Alter schützt nicht. Jüngere (20 bis 40 Jahre) und ältere Teilnehmende (60 bis 80 Jahre) zeigten denselben Effekt. Das Sprichwort „Mit dem Alter kommt die Weisheit" hilft bei eigenen Problemen also nicht weiter.
- Abstand hebt den Effekt auf. Wer gebeten wurde, die eigene Situation aus der Perspektive eines Außenstehenden zu betrachten, dachte genauso weise wie bei einem fremden Problem. Die Asymmetrie verschwand vollständig.
Anwendung auf digitale Produkte
- Die eigene Startseite: Du kennst jede Leistung und willst keine weglassen. Ein Außenstehender sieht nur: zu viele Botschaften gleichzeitig.
- Texte aus Innensicht: Fachbegriffe, interne Produktnamen und „wir"-Sätze wirken für dich selbstverständlich, für Besucher sind sie Hürden.
- Positionierung: Bei Wettbewerbern erkennst du sofort, wenn sie austauschbar klingen. Bei dir selbst fällt es schwer, das Besondere auf einen Satz zu bringen.
- Feature-Entscheidungen: Am eigenen Produkt hängt man an Funktionen, die man selbst gebaut hat, auch wenn Nutzer sie nicht brauchen.
| Situation | Innensicht | Außensicht |
|---|---|---|
| Startseite | „Alles ist wichtig" | „Was ist die eine Botschaft?" |
| Texte | Fachsprache wirkt präzise | Fachsprache wirkt abweisend |
| Positionierung | „Wir sind einzigartig" | „Klingt wie alle anderen" |
| Relaunch | Bestehende Struktur bewahren | Struktur vom Besucher aus neu denken |
Die Lösung: Abstand gezielt herstellen
- Frag dich, was du einem Kunden raten würdest. Formuliere dein Problem so, als hätte es dir ein Bekannter geschildert. Die Antwort fällt oft überraschend klar aus.
- Sprich in der dritten Person. „Was sollte Firma X auf ihrer Startseite sagen?" statt „Was sollten wir sagen?" Klingt seltsam, wirkt laut Forschung aber messbar.
- Denk in die Zukunft. Wie wirst du diese Entscheidung in einem Jahr bewerten? Zeitlicher Abstand wirkt ähnlich wie räumlicher.
- Hol dir echte Außensicht. Nutzertests, ein Audit oder ein Workshop mit Externen liefern den Abstand, den du dir selbst nur begrenzt geben kannst.
Der Maluure-Ansatz
Die meisten Kundinnen und Kunden wissen sehr genau, was sie tun. Was ihnen fehlt, ist der Blick von außen auf das eigene Unternehmen. Genau diesen Abstand bringen wir mit, und er ist oft wertvoller als jede Designidee.
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Häufige Fragen
Was ist Solomon's Paradox?+
Warum heißt der Effekt nach König Salomo?+
Was bedeutet weises Denken in der Studie?+
Werden ältere Menschen von Solomon's Paradox weniger beeinflusst?+
Was ist Self-Distancing?+
Wie kann ich Solomon's Paradox im Alltag überwinden?+
Was hat Solomon's Paradox mit meiner Website zu tun?+
Ist Solomon's Paradox dasselbe wie der Bias Blind Spot?+
Quellen
- Grossmann, I. & Kross, E.: Exploring Solomon's Paradox. Self-Distancing Eliminates the Self-Other Asymmetry in Wise Reasoning About Close Relationships in Younger and Older Adults. Psychological Science, 25(8), Association for Psychological Science (2014)
- Distance From a Conflict May Promote Wiser Reasoning (Pressemitteilung), Association for Psychological Science (2014)
- Kross, E. et al.: Self-Talk as a Regulatory Mechanism. How You Do It Matters. Journal of Personality and Social Psychology, 106(2), American Psychological Association (2014)
- Grossmann, I. et al.: Training for Wisdom. The Distanced-Self-Reflection Diary Method. Psychological Science, 32(3), Association for Psychological Science (2021)

Josef leitet die strategische und gestalterische Entwicklung von Marken bei Maluure. Seit über einem Jahrzehnt begleitet er mittelständische Unternehmen von der Markenpositionierung bis zur digitalen Umsetzung.
Geschäftsführer der Maluure GmbH, Köln. Spezialisiert auf Corporate Design, Markenstrategie und digitale Markenerlebnisse.
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