Zum Hauptinhalt springen
    Psychologie & Entscheidungen
    Grundlage

    Miller's Law: 7 ± 2, Chunking und gute Menüstrukturen

    Die berühmte 7 ± 2 wird oft falsch zitiert. Was Miller's Law wirklich sagt und wie du Inhalte so gliederst, dass sie im Kopf bleiben.

    von Josef Kujawski3 Min Lesezeit
    Miller's Law: 7 ± 2, Chunking und gute Menüstrukturen
    Kurzantwort
    Miller's Law geht auf George A. Miller zurück, der 1956 zeigte, dass das Kurzzeitgedächtnis nur wenige Einheiten gleichzeitig halten kann, oft zitiert als 7 ± 2. Neuere Forschung setzt die Grenze eher bei etwa vier Einheiten. Entscheidend ist nicht die exakte Zahl, sondern das Chunking: Informationen in sinnvolle Gruppen bündeln. Für Websites heißt das, Inhalte zu gruppieren und nicht starr jedes Menü auf sieben Punkte zu kürzen.

    Das Problem: Zu viel auf einmal

    Du öffnest eine Website und siehst ein Menü mit 14 gleichrangigen Punkten. Oder eine Leistungsseite, die zwölf Angebote in einem einzigen Textblock aufzählt. Nach dem dritten Punkt hast du den ersten vergessen. Das liegt nicht an dir, sondern an der Architektur deines Arbeitsgedächtnisses.

    Das Prinzip: Das Arbeitsgedächtnis ist klein

    Der Psychologe George A. Miller veröffentlichte 1956 einen der meistzitierten Aufsätze der Psychologie: „The Magical Number Seven, Plus or Minus Two". [1] Darin zeigte er, dass Menschen im Kurzzeitgedächtnis nur eine begrenzte Anzahl von Einheiten gleichzeitig halten können, ungefähr sieben, mal mehr, mal weniger.
    Spätere Forschung hat die Zahl korrigiert. Nelson Cowan kam 2001 zu dem Ergebnis, dass die eigentliche Kapazität eher bei etwa vier Einheiten liegt. [2] Millers sieben entstehen vor allem dadurch, dass Menschen Informationen unbewusst bündeln.
    Genau dieses Bündeln ist der eigentlich nützliche Teil: das Chunking.
    Schaubild: zwölf Quadrate in einer Reihe im Vergleich zu denselben zwölf Quadraten in vier Gruppen
    Gleiche Menge, leichter zu erfassen: Chunking in vier Gruppen.
    Kernaussage
    Die exakte Zahl ist weniger wichtig als die Erkenntnis dahinter: Menschen erfassen Informationen in Gruppen. Gute Gliederung schlägt jede starre Obergrenze.

    Das größte Missverständnis: Die 7-Punkte-Regel für Menüs

    Im Webdesign wird Miller's Law oft als Regel zitiert, ein Menü dürfe höchstens sieben Punkte haben. Das ist zu kurz gedacht. Ein Menü ist sichtbar, niemand muss es auswendig lernen. Die Grenze des Arbeitsgedächtnisses greift dort nur indirekt. [3]
    Was tatsächlich hilft:
    1. Gruppieren statt kürzen. Fasse verwandte Punkte unter klaren Oberbegriffen zusammen.
    2. Verständliche Begriffe. „Leistungen" ist besser als ein kreativer Fantasiename.
    3. Reihenfolge nach Bedeutung. Das Wichtigste zuerst, Kontakt gut erreichbar.
    Wireframe-Vergleich: eine lange flache Menüliste und dieselben Punkte in drei Gruppen mit Überschriften
    Dieselben Einträge, gegliedert in drei Gruppen, werden schneller verstanden.

    Wo Chunking auf Websites wirkt

    BereichOhne ChunkingMit Chunking
    Navigation14 gleichrangige Menüpunkte3 bis 5 Gruppen mit Unterpunkten
    FließtextLange TextwandKurze Absätze, Zwischenüberschriften
    LeistungenAufzählung in einem SatzKarten oder Liste mit je einer Kernaussage
    Formulare20 Felder auf einer SeiteThematische Schritte
    Zahlen, CodesDE89370400440532013000DE89 3704 0044 0532 0130 00
    Kernaussage
    Überall, wo Menschen etwas lesen, vergleichen oder eingeben, hilft Gruppierung. Besonders bei Leistungsseiten, Preisübersichten und Formularen.

    Verwandte Prinzipien

    Miller's Law beschreibt, wie viel man gleichzeitig behält. Wie die Zahl der Optionen die Entscheidungszeit beeinflusst, erklärt Hick's Law. Warum zu viel Auswahl sogar lähmt, zeigt das Paradox of Choice. Und wie leicht das gewählte Ziel dann erreichbar ist, beschreibt Fitts' Law.
    Bevor wir eine Seite gestalten, sortieren wir die Inhalte. Wenn die Gruppen stimmen, ergibt sich die Navigation fast von selbst. Wenn nicht, rettet sie auch kein schönes Design.
    – Josef Kujawski, Geschäftsführer Maluure GmbH

    Kurz-Check

    • Lassen sich deine Menüpunkte in wenige, klar benannte Gruppen ordnen?
    • Hat jeder Absatz nur eine Kernaussage?
    • Sind lange Formulare in Schritte geteilt?
    • Werden Nummern und Codes in Blöcken angezeigt?
    Eine saubere Struktur hilft übrigens auch Suchmaschinen. In einem SEO Audit prüfen wir neben Technik auch Informationsarchitektur und interne Verlinkung.

    Häufige Fragen

    Was besagt Miller's Law?+
    Miller's Law beschreibt, dass das Kurzzeitgedächtnis nur eine begrenzte Zahl von Informationseinheiten gleichzeitig halten kann. George A. Miller nannte 1956 die Größenordnung 7 ± 2.
    Stimmt die Zahl 7 ± 2 noch?+
    Nur grob. Nelson Cowan kam 2001 zu dem Schluss, dass die echte Kapazität eher bei etwa vier Einheiten liegt, wenn man Chunking herausrechnet.
    Was ist Chunking?+
    Chunking bedeutet, einzelne Informationen zu sinnvollen Gruppen zusammenzufassen. Eine Telefonnummer in Blöcken oder ein Menü in Kategorien ist leichter zu erfassen als eine lange Reihe.
    Darf ein Menü nur sieben Punkte haben?+
    Nein, das ist ein verbreitetes Missverständnis. Menüs sind sichtbar und müssen nicht auswendig gelernt werden. Wichtiger sind klare Gruppen, verständliche Begriffe und eine sinnvolle Reihenfolge.
    Wie hilft Miller's Law bei Texten auf Websites?+
    Kurze Absätze, Zwischenüberschriften, Listen und Tabellen bündeln Informationen in Häppchen. So können Leser scannen und behalten mehr.
    Was ist der Unterschied zwischen Miller's Law und Hick's Law?+
    Miller's Law betrifft, wie viel man sich gleichzeitig merken kann. Hick's Law beschreibt, wie die Entscheidungszeit mit der Zahl der Optionen steigt.
    Wo ist Miller's Law in Formularen relevant?+
    Lange Formulare lassen sich in Schritte oder thematische Blöcke teilen. IBAN, Telefonnummern und Codes werden in Gruppen leichter eingegeben und geprüft.

    Quellen

    1. The magical number seven, plus or minus two: Some limits on our capacity for processing information, Psychological Review (1956)
    2. The magical number 4 in short-term memory: A reconsideration of mental storage capacity, Behavioral and Brain Sciences (2001)
    3. How Chunking Helps Content Processing, Nielsen Norman Group (2016)
    #Psychologie#Arbeitsgedächtnis#Navigation#Informationsarchitektur
    Josef Kujawski
    Autor
    Josef Kujawski
    Geschäftsführer & Creative Director bei Maluure

    Josef leitet die strategische und gestalterische Entwicklung von Marken bei Maluure. Seit über einem Jahrzehnt begleitet er mittelständische Unternehmen von der Markenpositionierung bis zur digitalen Umsetzung.

    Geschäftsführer der Maluure GmbH, Köln. Spezialisiert auf Corporate Design, Markenstrategie und digitale Markenerlebnisse.

    Newsletter

    Neue Artikel direkt ins Postfach.

    Ein Newsletter, wenn wir wirklich etwas Neues zu sagen haben. Kein Rauschen.