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    Imagefilm oder Recruiting-Video: Was dein Unternehmen wirklich braucht

    Beide Filme kosten ähnlich viel, wirken aber völlig unterschiedlich. Der Vergleich zeigt, welches Format zu welchem Ziel passt und wie du beide aus einem Drehtag bekommst.

    von Josef KujawskiAktualisiert: 17. September 20269 Min Lesezeit1.457 Wörter
    Imagefilm oder Recruiting-Video: Was dein Unternehmen wirklich braucht
    Kurzantwort
    Ein Imagefilm richtet sich an Kunden und verkauft Kompetenz, ein Recruiting-Video richtet sich an Bewerber und verkauft Arbeitsalltag. Wer beides mit demselben Film versucht, erreicht keine der beiden Gruppen richtig. Die gute Nachricht: Mit einer sauberen Shotlist entstehen beide Formate an einem einzigen Drehtag, das spart rund 30 bis 40 Prozent gegenüber zwei getrennten Produktionen. Entscheide zuerst, welches Problem dringender ist, und produziere das zweite Format gleich mit.

    Zwei Filme, zwei völlig verschiedene Aufgaben

    Die Frage kommt in fast jedem Erstgespräch: Wir brauchen ein Video, aber welches eigentlich? Meist stehen zwei Ziele gleichzeitig im Raum. Der Vertrieb möchte etwas, das Kunden überzeugt. Die Personalabteilung möchte etwas, das Bewerber anzieht. Und weil beides Geld kostet, entsteht der Wunsch, es mit einem einzigen Film zu erschlagen.
    Genau das geht in den meisten Fällen schief. Ein Imagefilm und ein Recruiting-Video haben unterschiedliche Zuschauer, unterschiedliche Fragen im Kopf und unterschiedliche Erfolgskriterien. Wer beides mischt, bekommt einen Film, der niemandem weh tut und niemanden bewegt.
    Isometrische Linienzeichnung: links ein Kamera-Setup vor einer Fabrikhalle, rechts ein Interview-Setup mit zwei Stühlen
    Zwei Formate, ein Drehort: Imagefilm und Recruiting-Video entstehen oft am selben Tag, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

    Der direkte Vergleich

    KriteriumImagefilmRecruiting-Video
    ZielgruppeKunden, Partner, InvestorenBewerber, Azubis, Fachkräfte
    Kernfrage des ZuschauersKann ich denen vertrauen?Will ich da arbeiten?
    Tonalitätsouverän, präzise, wertigehrlich, nahbar, ungeschönt
    Länge60 bis 120 Sekunden45 bis 90 Sekunden
    HauptdarstellerLeistung, Produkt, ProzessMenschen und Arbeitsalltag
    EinsatzortStartseite, Vertrieb, MesseKarriereseite, Stellenanzeige, LinkedIn
    Preisband6.000 bis 15.000 Euro4.000 bis 10.000 Euro
    Lebensdauerdrei bis fünf Jahrezwei bis drei Jahre
    Die letzte Zeile wird oft übersehen. Ein Imagefilm zeigt in der Regel Leistungen, Anlagen und Haltung, das ändert sich langsam. Ein Recruiting-Video zeigt Menschen, und Teams verändern sich schneller. Wer im Film sechs Personen zeigt, von denen nach zwei Jahren die Hälfte weg ist, wirkt unangenehm veraltet.
    Kernaussage
    Der Imagefilm verkauft Kompetenz an Kunden, das Recruiting-Video verkauft Arbeitsalltag an Bewerber. Sobald du das trennst, wird die Entscheidung einfach.

    Woran du erkennst, welches Format du zuerst brauchst

    Beide gleichzeitig zu produzieren ist möglich, aber es gibt fast immer ein dringenderes Problem. Diese Fragen helfen bei der Einordnung:
    1. Bleiben Stellen länger als drei Monate offen? Dann fehlt Sichtbarkeit als Arbeitgeber, nicht als Anbieter. Recruiting-Video zuerst.
    2. Springen Interessenten nach dem Erstgespräch ab? Dann fehlt Vertrauen in Kompetenz und Größe. Imagefilm zuerst.
    3. Erklärt euer Vertrieb in jedem Termin dasselbe? Dann spart ein Imagefilm messbar Zeit, weil er die Grundlagen vorwegnimmt.
    4. Fragen Bewerber im Gespräch immer wieder dasselbe? Genau diese Fragen gehören ins Recruiting-Video.
    5. Steht ein Messeauftritt oder eine Karrieremesse an? Der Termin entscheidet die Reihenfolge, weil beide Formate acht Wochen Vorlauf brauchen.

    Der Trick: ein Drehtag, beide Filme

    Der teuerste Fehler ist, beide Produktionen zeitlich zu trennen. Ein Drehtag besteht zu großen Teilen aus Auf- und Abbau, Lichtsetzen, Abstimmung und Wegezeiten. Wer den zweiten Film sechs Monate später dreht, zahlt diesen Aufwand ein zweites Mal.
    Mit einer gemeinsamen Shotlist sieht ein Drehtag so aus:
    • Vormittag: Produktion, Anlagen, Prozesse, Detailaufnahmen. Das ist die Basis für den Imagefilm.
    • Mittag: Interviews mit Geschäftsführung zu Positionierung und Qualitätsanspruch, verwertbar für beide Filme.
    • Nachmittag: Interviews mit vier bis sechs Mitarbeitenden zu Arbeitsalltag, Team und Einstieg. Basis für das Recruiting-Video.
    • Später Nachmittag: Atmosphärische Aufnahmen von Pausen, Zusammenarbeit, Gelände. Füllmaterial für beide Schnitte.
    Aus diesem Tag entstehen zwei Hauptfilme, mehrere Kurzclips für Social Media und Foto-Stills für Website und Stellenanzeigen. Gegenüber zwei getrennten Produktionen liegt die Ersparnis erfahrungsgemäß bei 30 bis 40 Prozent.
    Schaubild: zwei Säulen aus Rechtecken, verbunden mit einem rot umrandeten Kasten in der Mitte
    Ein gemeinsamer Drehtag speist beide Formate, die Schnittfassungen trennen sich erst in der Postproduktion.
    Wenn ein Kunde sagt, er habe Budget für einen Film, frage ich zuerst, welche zwei Probleme er lösen will. In neun von zehn Fällen sind es Vertrieb und Recruiting. Dann planen wir einen Drehtag so, dass beide Filme daraus entstehen, statt einen Kompromiss zu produzieren, der keinem hilft.
    – Josef Kujawski, Geschäftsführer Maluure GmbH

    Was im Recruiting-Video anders läuft

    Der größte Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in der Führung am Set. Beim Imagefilm arbeiten wir mit Sprechertext und geplanten Einstellungen. Beim Recruiting-Video muss echtes Sprechen entstehen, und das braucht andere Bedingungen.
    Bewährt hat sich: kleine Crew, keine großen Scheinwerfer, Gespräch statt Abfrage. Wir stellen offene Fragen und schneiden die Frage später raus, sodass nur die Antwort stehen bleibt. Wichtig ist auch, vorher zu klären, wer überhaupt vor die Kamera will. Wer gezwungen wird, sieht man das im Bild sofort.
    Rechtlich braucht jede gefilmte Person eine schriftliche Einwilligung in die Verwendung ihres Bildes, und diese Einwilligung ist widerrufbar. Wer eine Person zentral im Film platziert, sollte das mitdenken, sonst fehlt nach einer Kündigung die Hauptfigur.
    Dokumentarisches Foto: zwei Personen sitzen im Gespräch in einer hellen Industriehalle, seitlich eine Kamera auf Stativ
    Recruiting-Interviews funktionieren als Gespräch, nicht als Abfrage. Die Frage wird später herausgeschnitten.

    Praxisbeispiel: NSB Polymers

    Für NSB Polymers aus der Kunststoffindustrie haben wir den Auftritt komplett neu gedacht. Die Ausgangslage war typisch für den technischen Mittelstand: Ein starkes Produkt, hohe Fertigungstiefe, aber nach außen kaum sichtbar, weder für Neukunden noch für Fachkräfte. Das Konzept „Verbindungen" zieht sich durch die gesamte Bildsprache und macht sowohl die technische Kompetenz als auch die Menschen dahinter greifbar.
    Website-Relaunch für NSB Polymers mit 3D-Animationen und klarer Positionierung
    NSB Polymers, umgesetzt von der Maluure GmbH.
    Bei NSB haben wir gemerkt, wie unterschiedlich dieselbe Halle wirkt, je nachdem worauf man die Kamera richtet. Für Kunden zeigst du Präzision und Maßstab. Für Bewerber zeigst du, dass da jemand steht, der seine Arbeit erklärt und dabei entspannt wirkt. Dasselbe Gebäude, zwei völlig verschiedene Filme.
    – Josef Kujawski, Geschäftsführer Maluure GmbH

    Häufige Fehler bei der Entscheidung

    • Beide Zielgruppen in einem Film. Führt zu einem Film, der weder verkauft noch begeistert.
    • Recruiting-Video mit Hochglanz-Optik. Bewerber erkennen inszenierte Zufriedenheit sofort und misstrauen ihr.
    • Imagefilm ohne konkrete Leistung. Schöne Bilder ohne Aussage bleiben nicht hängen.
    • Nur ein Format planen, obwohl beide anstehen. Der zweite Drehtag kostet später den vollen Preis.
    • Keine Kurzversionen einplanen. Ohne Schnittfassungen für Social Media bleibt der Film auf der Website liegen.
    Kernaussage
    Plane von Anfang an mit beiden Formaten, auch wenn du nur eines sofort brauchst. Die Shotlist kostet nichts extra, der zweite Drehtag schon.

    Budget realistisch aufteilen

    Die häufigste Frage nach der Formatentscheidung ist die nach der Aufteilung. Wenn ein Jahresbudget für Bewegtbild feststeht, hat sich diese Verteilung bewährt:
    PostenAnteil am BudgetWas dahintersteckt
    Konzept und Drehbuch15 bis 20 ProzentBriefing, Story, Shotlist, Interviewleitfaden
    Drehtag35 bis 40 ProzentCrew, Technik, Licht, Ton, Anfahrt
    Postproduktion30 bis 35 ProzentSchnitt, Farbe, Ton, Grafik, Untertitel
    Zweitverwertung10 bis 15 ProzentKurzfassungen, Hochformate, Thumbnails
    Der letzte Posten wird fast immer gestrichen, und das ist der teuerste Sparfehler. Ohne Kurzfassungen liegt der Film auf der Startseite und wird nie wieder gesehen. Mit sechs bis zehn Schnittvarianten hast du für ein Quartal Material für Stellenanzeigen, Social Media und Newsletter.

    Wie du den Erfolg misst

    Beide Formate lassen sich messen, aber nicht mit denselben Zahlen. Beim Imagefilm zählen Wiedergabedauer auf der Startseite, Absprungrate der Seite mit Film im Vergleich zu vorher und die Rückmeldung aus dem Vertrieb, ob Erstgespräche kürzer werden. Beim Recruiting-Video zählen die Zahl der Bewerbungen pro Ausschreibung, die Qualität der Bewerbungen nach Einschätzung der Personalabteilung und die Zeit bis zur Besetzung.
    Wichtig ist der Ausgangswert. Miss vier Wochen vor dem Launch, wie die Zahlen aussehen, sonst hast du danach keinen Vergleich. Bei offenen Stellen ist die Zeit bis zur Besetzung die aussagekräftigste Größe, weil Engpässe in vielen technischen Berufen strukturell sind und nicht am Video liegen[2].

    Rechtliche Punkte, die du vor dem Dreh klärst

    Beim Recruiting-Video ist das Recht am eigenen Bild der Punkt, an dem es später Ärger geben kann. Bildnisse dürfen grundsätzlich nur mit Einwilligung der abgebildeten Person verbreitet werden[1]. In der Praxis heißt das:
    • Schriftliche Einwilligung vor dem Dreh, nicht danach
    • Zweck und Kanäle konkret benennen, also Website, Social Media, Messe
    • Regeln, was passiert, wenn die Person das Unternehmen verlässt
    • Bei Auszubildenden unter 18 Jahren zusätzlich die Einwilligung der Erziehungsberechtigten
    • Eine Fassung ohne die betroffene Person als Ersatzschnitt einplanen, wenn eine Person sehr zentral steht
    Das kostet im Vorfeld eine halbe Stunde und erspart im Zweifel eine komplette Neuproduktion.

    Zeitplan: acht Wochen von der Idee zum Film

    1. Woche 1 bis 2: Briefing, Zielgruppen schärfen, Formatentscheidung, Angebot
    2. Woche 3 bis 4: Drehbuch, Interviewleitfaden, Shotlist, Auswahl der Personen vor der Kamera
    3. Woche 5: Drehtag, bei zwei Formaten ein voller Tag statt zwei halber
    4. Woche 6 bis 7: Schnitt, erste Fassung, eine Korrekturschleife, Farbe und Ton
    5. Woche 8: Kurzfassungen, Untertitel, Ausspielung in allen Formaten, Einbau auf Website und Karriereseite
    Wer schneller will, kann den Drehtag vorziehen, verliert dann aber genau die Vorbereitungszeit, die den Unterschied macht.

    Wie du weiter vorgehst

    Schreib in zwei Sätzen auf, was ein Kunde nach dem Film denken soll, und in zwei Sätzen, was ein Bewerber denken soll. Wenn sich die Sätze deutlich unterscheiden, brauchst du zwei Filme. Wenn sie fast gleich klingen, ist die Positionierung noch nicht scharf genug, und daran arbeiten wir vor dem Dreh.
    Konkrete Preisbänder, Kostentreiber und eine Beispielkalkulation findest du im Artikel Imagefilm Kosten. Wie Interviews mit Mitarbeitenden konkret ablaufen, steht im Artikel Recruiting-Video. Einen Überblick über alle Leistungen gibt die Seite Imagefilm erstellen lassen.

    Häufige Fragen

    Was ist der Unterschied zwischen Imagefilm und Recruiting-Video?+
    Der Imagefilm spricht Kunden an und zeigt Kompetenz, Qualität und Haltung des Unternehmens. Das Recruiting-Video spricht Bewerber an und zeigt Arbeitsalltag, Team und Kultur. Ziel, Tonalität und Einsatzort unterscheiden sich deutlich, auch wenn beide am selben Ort gedreht werden.
    Kann ein Film beide Zwecke erfüllen?+
    In der Praxis selten. Ein Film, der Kunden überzeugen und gleichzeitig Bewerber gewinnen soll, wird meist so allgemein, dass er bei keiner Gruppe wirkt. Besser sind zwei Schnittfassungen aus einem Drehtag mit unterschiedlichem Fokus.
    Was kostet ein Recruiting-Video im Vergleich zum Imagefilm?+
    Ein Recruiting-Video liegt bei uns zwischen 4.000 und 10.000 Euro, ein Imagefilm zwischen 6.000 und 15.000 Euro. Der Unterschied kommt vor allem aus Konzeptaufwand, Drehtagen und der Zahl der Versionen.
    Lohnt es sich, beide Formate gleichzeitig zu produzieren?+
    Ja, wenn beide Themen ohnehin anstehen. Mit einer gemeinsamen Shotlist entstehen an einem Drehtag Material für beide Filme, das spart gegenüber zwei getrennten Produktionen rund 30 bis 40 Prozent.
    Welches Format sollte man zuerst produzieren?+
    Das hängt vom dringenderen Problem ab. Wer offene Stellen nicht besetzt bekommt, startet mit dem Recruiting-Video. Wer im Vertrieb Vertrauen aufbauen muss, startet mit dem Imagefilm.
    Wie lang sollten die beiden Formate sein?+
    Der Imagefilm liegt für die Website bei 60 bis 120 Sekunden. Das Recruiting-Video funktioniert etwas kürzer, meist 45 bis 90 Sekunden, plus Kurzclips einzelner Mitarbeitender für Stellenanzeigen und Social Media.
    Müssen Mitarbeitende im Recruiting-Video mitspielen?+
    Es funktioniert nur mit echten Mitarbeitenden, Schauspieler wirken sofort unglaubwürdig. Die Teilnahme ist freiwillig und wird schriftlich eingewilligt, niemand wird zum Auftritt verpflichtet.
    Wo werden die beiden Filme eingesetzt?+
    Der Imagefilm läuft auf der Startseite, in Vertriebsgesprächen, auf Messen und bei YouTube. Das Recruiting-Video gehört auf die Karriereseite, in Stellenanzeigen, auf LinkedIn und in Bewerberkanäle wie Instagram.

    Quellen

    1. § 22 Kunsturhebergesetz, Recht am eigenen Bild, Bundesministerium der Justiz
    2. Fachkräfteengpassanalyse, Bundesagentur für Arbeit
    #Imagefilm#Recruiting-Video#Employer Branding#Videoproduktion#Bewegtbild
    Josef Kujawski
    Autor
    Josef Kujawski
    Geschäftsführer & Creative Director bei Maluure

    Josef leitet die strategische und gestalterische Entwicklung von Marken bei Maluure. Seit über einem Jahrzehnt begleitet er mittelständische Unternehmen von der Markenpositionierung bis zur digitalen Umsetzung.

    Geschäftsführer der Maluure GmbH, Köln. Spezialisiert auf Corporate Design, Markenstrategie und digitale Markenerlebnisse.

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