Imagefilm oder Recruiting-Video: Was dein Unternehmen wirklich braucht
Beide Filme kosten ähnlich viel, wirken aber völlig unterschiedlich. Der Vergleich zeigt, welches Format zu welchem Ziel passt und wie du beide aus einem Drehtag bekommst.

Zwei Filme, zwei völlig verschiedene Aufgaben

Der direkte Vergleich
| Kriterium | Imagefilm | Recruiting-Video |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Kunden, Partner, Investoren | Bewerber, Azubis, Fachkräfte |
| Kernfrage des Zuschauers | Kann ich denen vertrauen? | Will ich da arbeiten? |
| Tonalität | souverän, präzise, wertig | ehrlich, nahbar, ungeschönt |
| Länge | 60 bis 120 Sekunden | 45 bis 90 Sekunden |
| Hauptdarsteller | Leistung, Produkt, Prozess | Menschen und Arbeitsalltag |
| Einsatzort | Startseite, Vertrieb, Messe | Karriereseite, Stellenanzeige, LinkedIn |
| Preisband | 6.000 bis 15.000 Euro | 4.000 bis 10.000 Euro |
| Lebensdauer | drei bis fünf Jahre | zwei bis drei Jahre |
Woran du erkennst, welches Format du zuerst brauchst
- Bleiben Stellen länger als drei Monate offen? Dann fehlt Sichtbarkeit als Arbeitgeber, nicht als Anbieter. Recruiting-Video zuerst.
- Springen Interessenten nach dem Erstgespräch ab? Dann fehlt Vertrauen in Kompetenz und Größe. Imagefilm zuerst.
- Erklärt euer Vertrieb in jedem Termin dasselbe? Dann spart ein Imagefilm messbar Zeit, weil er die Grundlagen vorwegnimmt.
- Fragen Bewerber im Gespräch immer wieder dasselbe? Genau diese Fragen gehören ins Recruiting-Video.
- Steht ein Messeauftritt oder eine Karrieremesse an? Der Termin entscheidet die Reihenfolge, weil beide Formate acht Wochen Vorlauf brauchen.
Der Trick: ein Drehtag, beide Filme
- Vormittag: Produktion, Anlagen, Prozesse, Detailaufnahmen. Das ist die Basis für den Imagefilm.
- Mittag: Interviews mit Geschäftsführung zu Positionierung und Qualitätsanspruch, verwertbar für beide Filme.
- Nachmittag: Interviews mit vier bis sechs Mitarbeitenden zu Arbeitsalltag, Team und Einstieg. Basis für das Recruiting-Video.
- Später Nachmittag: Atmosphärische Aufnahmen von Pausen, Zusammenarbeit, Gelände. Füllmaterial für beide Schnitte.

Wenn ein Kunde sagt, er habe Budget für einen Film, frage ich zuerst, welche zwei Probleme er lösen will. In neun von zehn Fällen sind es Vertrieb und Recruiting. Dann planen wir einen Drehtag so, dass beide Filme daraus entstehen, statt einen Kompromiss zu produzieren, der keinem hilft.
Was im Recruiting-Video anders läuft

Praxisbeispiel: NSB Polymers

Bei NSB haben wir gemerkt, wie unterschiedlich dieselbe Halle wirkt, je nachdem worauf man die Kamera richtet. Für Kunden zeigst du Präzision und Maßstab. Für Bewerber zeigst du, dass da jemand steht, der seine Arbeit erklärt und dabei entspannt wirkt. Dasselbe Gebäude, zwei völlig verschiedene Filme.
Häufige Fehler bei der Entscheidung
- Beide Zielgruppen in einem Film. Führt zu einem Film, der weder verkauft noch begeistert.
- Recruiting-Video mit Hochglanz-Optik. Bewerber erkennen inszenierte Zufriedenheit sofort und misstrauen ihr.
- Imagefilm ohne konkrete Leistung. Schöne Bilder ohne Aussage bleiben nicht hängen.
- Nur ein Format planen, obwohl beide anstehen. Der zweite Drehtag kostet später den vollen Preis.
- Keine Kurzversionen einplanen. Ohne Schnittfassungen für Social Media bleibt der Film auf der Website liegen.
Budget realistisch aufteilen
| Posten | Anteil am Budget | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| Konzept und Drehbuch | 15 bis 20 Prozent | Briefing, Story, Shotlist, Interviewleitfaden |
| Drehtag | 35 bis 40 Prozent | Crew, Technik, Licht, Ton, Anfahrt |
| Postproduktion | 30 bis 35 Prozent | Schnitt, Farbe, Ton, Grafik, Untertitel |
| Zweitverwertung | 10 bis 15 Prozent | Kurzfassungen, Hochformate, Thumbnails |
Wie du den Erfolg misst
Rechtliche Punkte, die du vor dem Dreh klärst
- Schriftliche Einwilligung vor dem Dreh, nicht danach
- Zweck und Kanäle konkret benennen, also Website, Social Media, Messe
- Regeln, was passiert, wenn die Person das Unternehmen verlässt
- Bei Auszubildenden unter 18 Jahren zusätzlich die Einwilligung der Erziehungsberechtigten
- Eine Fassung ohne die betroffene Person als Ersatzschnitt einplanen, wenn eine Person sehr zentral steht
Zeitplan: acht Wochen von der Idee zum Film
- Woche 1 bis 2: Briefing, Zielgruppen schärfen, Formatentscheidung, Angebot
- Woche 3 bis 4: Drehbuch, Interviewleitfaden, Shotlist, Auswahl der Personen vor der Kamera
- Woche 5: Drehtag, bei zwei Formaten ein voller Tag statt zwei halber
- Woche 6 bis 7: Schnitt, erste Fassung, eine Korrekturschleife, Farbe und Ton
- Woche 8: Kurzfassungen, Untertitel, Ausspielung in allen Formaten, Einbau auf Website und Karriereseite
Wie du weiter vorgehst
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Imagefilm und Recruiting-Video?+
Kann ein Film beide Zwecke erfüllen?+
Was kostet ein Recruiting-Video im Vergleich zum Imagefilm?+
Lohnt es sich, beide Formate gleichzeitig zu produzieren?+
Welches Format sollte man zuerst produzieren?+
Wie lang sollten die beiden Formate sein?+
Müssen Mitarbeitende im Recruiting-Video mitspielen?+
Wo werden die beiden Filme eingesetzt?+
Quellen
- § 22 Kunsturhebergesetz, Recht am eigenen Bild, Bundesministerium der Justiz
- Fachkräfteengpassanalyse, Bundesagentur für Arbeit

Josef leitet die strategische und gestalterische Entwicklung von Marken bei Maluure. Seit über einem Jahrzehnt begleitet er mittelständische Unternehmen von der Markenpositionierung bis zur digitalen Umsetzung.
Geschäftsführer der Maluure GmbH, Köln. Spezialisiert auf Corporate Design, Markenstrategie und digitale Markenerlebnisse.
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