Zum Hauptinhalt springen
    SEO & Marketing

    Imagefilm Drehbuch: Storytelling, das in 90 Sekunden funktioniert

    Das Drehbuch entscheidet, ob dein Imagefilm wirkt oder nur schön aussieht. Aufbau, Dramaturgie, typische Fehler und eine Shotlist, die den Drehtag rettet.

    von Josef KujawskiAktualisiert: 17. September 20269 Min Lesezeit1.393 Wörter
    Imagefilm Drehbuch: Storytelling, das in 90 Sekunden funktioniert
    Kurzantwort
    Ein Imagefilm-Drehbuch beantwortet drei Fragen: Wen sprechen wir an, was soll die Person danach fühlen und was soll sie tun. Bewährt hat sich ein Aufbau aus Haken in den ersten fünf Sekunden, Problem, Lösung, Beleg und Handlungsaufforderung. Das Drehbuch ist die günstigste Korrekturschleife der ganzen Produktion, eine Änderung auf dem Papier kostet Minuten, dieselbe Änderung nach dem Dreh kostet einen ganzen Drehtag. Plane ein bis zwei Wochen für Drehbuch und Shotlist ein, bevor die Kamera läuft.

    Warum der teuerste Fehler auf dem Papier passiert

    In fast jeder Produktion, die aus dem Ruder läuft, war das Drehbuch zu dünn. Nicht die Kamera war das Problem, nicht das Licht, nicht der Schnitt. Sondern die Tatsache, dass niemand vor dem Drehtag klar formuliert hatte, was der Film eigentlich erreichen soll.
    Das ist deshalb so teuer, weil sich die Korrekturkosten mit jeder Phase vervielfachen. Ein Satz im Drehbuch zu ändern kostet Minuten. Dieselbe Änderung nach dem Dreh bedeutet einen neuen Drehtag mit Team, Anfahrt und Terminabstimmung im Unternehmen. Deshalb ist die Drehbuchphase die günstigste Korrekturschleife der gesamten Produktion.
    Isometrische Linienzeichnung eines aufgeschlagenen Drehbuchblocks mit Storyboard-Rahmen und Bleistift
    Das Drehbuch ist die Phase, in der die meisten Entscheidungen fallen, und die einzige, in der Änderungen fast nichts kosten.

    Die drei Fragen vor dem ersten Satz

    Bevor irgendein Text entsteht, klären wir im Briefing drei Dinge. Wer sie nicht beantworten kann, hat noch kein Drehbuchproblem, sondern ein Positionierungsproblem.
    1. Wen sprechen wir an? Nicht „unsere Kunden", sondern eine konkrete Person mit einer konkreten Situation. Der technische Einkäufer, der drei Anbieter vergleicht, ist etwas anderes als der Geschäftsführer, der zum ersten Mal von euch hört.
    2. Was soll die Person nach 90 Sekunden fühlen? Ein einziges Gefühl, nicht fünf. Sicherheit, Respekt, Neugier oder Erleichterung, aber nur eines davon führt.
    3. Was soll sie danach tun? Anrufen, ein Angebot anfordern, sich bewerben, die Website weiterlesen. Ohne dieses Ziel wird der Film ein Selbstporträt statt ein Werkzeug.
    Kernaussage
    Wenn ihr die drei Fragen nicht in je einem Satz beantworten könnt, ist das Drehbuch nicht das eigentliche Problem. Dann fehlt vorher die Schärfe in der Positionierung.

    Der bewährte Aufbau in fünf Teilen

    Für Imagefilme im Mittelstand funktioniert diese Struktur zuverlässig. Die Zeitangaben beziehen sich auf einen Film von 90 Sekunden.
    AbschnittLängeAufgabe
    Haken0 bis 5 Sek.Aufmerksamkeit sichern, bevor weggeklickt wird
    Problem5 bis 25 Sek.Die Situation der Zielgruppe benennen
    Lösung25 bis 55 Sek.Zeigen, was ihr konkret anders macht
    Beleg55 bis 80 Sek.Zahlen, Referenz, Prozess oder Menschen als Beweis
    Abschluss80 bis 90 Sek.Eine klare Handlungsaufforderung, nicht drei
    Der wichtigste Teil sind die ersten fünf Sekunden. Wer dort mit einer Drohnenaufnahme des Firmengebäudes und dem eingeblendeten Logo startet, verliert genau die Zuschauer, die noch nichts über das Unternehmen wissen. Besser ist ein Bild oder ein Satz, der die Situation des Zuschauers trifft.
    Schaubild einer Dramaturgie-Kurve über einer Zeitachse mit vier Markern
    Der Spannungsbogen erreicht seinen Höhepunkt bei etwa zwei Dritteln der Laufzeit, danach folgt die Handlungsaufforderung.

    Sprechertext: rechne mit 150 Wörtern pro Minute

    Ein sehr praktischer Punkt, der regelmäßig übersehen wird: Gesprochener Text braucht Zeit. Rechne mit 140 bis 160 Wörtern pro Minute, wenn der Sprecher ruhig und verständlich bleiben soll. Für einen Film von 90 Sekunden bedeutet das rund 200 bis 240 Wörter, inklusive Pausen also eher weniger.
    Fast jeder erste Textentwurf aus dem Unternehmen ist doppelt so lang. Der Grund ist verständlich: Es gibt viel zu sagen. Aber ein Film, in dem durchgehend gesprochen wird, wirkt gehetzt und lässt den Bildern keine Luft. Streichen ist hier die eigentliche Arbeit.
    Ein Test, der immer funktioniert: Lies den Text laut mit einer Stoppuhr. Wenn du außer Atem kommst, ist er zu lang.

    Die Shotlist rettet den Drehtag

    Das Drehbuch beschreibt die Geschichte, die Shotlist beschreibt die Arbeit. Sie listet jede benötigte Einstellung mit Ort, Motiv, ungefährer Länge und Hinweis, in welchem Abschnitt sie landet. Am Drehtag wird sie abgehakt.
    Eine brauchbare Shotlist enthält immer mehr als das Nötigste:
    • Hauptmotive für die geplanten Abschnitte
    • Schnittbilder und Details, die im Schnitt Übergänge ermöglichen
    • Alternative Einstellungsgrößen derselben Szene, falls die erste Wahl im Schnitt nicht funktioniert
    • Hochformat-Varianten der wichtigsten Szenen für Social Media
    • Stills, also Fotos, die parallel entstehen und später auf der Website landen
    Wer das nicht plant, merkt es erst im Schnitt, wenn ein Übergang fehlt und niemand mehr in die Halle zurückkann.
    Aufsicht auf einen Holztisch mit handgezeichneten Storyboard-Skizzen, Bleistiften und Kaffeetassen
    Handskizzen reichen völlig aus. Wichtig ist, dass die Abfolge der Bilder vor dem Drehtag geklärt ist.
    Ich habe noch nie erlebt, dass ein Kunde sich über zu viel Zeit im Drehbuch geärgert hat. Aber ich habe oft erlebt, dass jemand nach dem ersten Schnitt sagt, eigentlich hätten wir etwas ganz anderes zeigen müssen. Diese Erkenntnis gehört zwei Wochen früher auf den Tisch.
    – Josef Kujawski, Geschäftsführer Maluure GmbH

    Praxisbeispiel: ZOO Event

    Für ZOO Event in Köln haben wir einen kompletten Auftritt neu gebaut, inklusive Bewegtbild. Die Herausforderung war typisch für Eventlocations: Es gibt viele Räume, viele Anlässe und viele mögliche Geschichten, und genau das führt fast immer zu einem Film, der alles zeigt und nichts erzählt.
    Im Drehbuch haben wir uns deshalb auf eine einzige Perspektive festgelegt, nämlich die des Veranstalters, der eine Location sucht und wissen will, ob sein Event dort funktioniert. Alles, was diese Frage nicht beantwortet hat, ist rausgeflogen, auch schöne Bilder.
    Bewegtbild und Website-Relaunch für ZOO Event in Köln
    ZOO Event, umgesetzt von der Maluure GmbH.
    Bei ZOO Event lag die schwerste Entscheidung im Drehbuch, nicht am Set. Wir hatten Material für drei verschiedene Filme im Kopf und mussten uns für eine Zielgruppe entscheiden. Dieser eine Satz im Briefing hat den ganzen Dreh strukturiert.
    – Josef Kujawski, Geschäftsführer Maluure GmbH

    Die fünf häufigsten Story-Fehler

    1. Chronologie statt Dramaturgie. Die Firmengeschichte von 1972 bis heute interessiert niemanden außer euch selbst.
    2. Alles gleichzeitig erzählen. Drei Zielgruppen, fünf Leistungen und zwei Standorte in 90 Sekunden ergibt Rauschen.
    3. Adjektive statt Belege. „Innovativ, zuverlässig, partnerschaftlich" sagt jeder. Eine konkrete Zahl oder ein konkreter Prozess sagt mehr.
    4. Der Chef als Erzähler ohne Vorbereitung. Ein Interview ohne Leitfragen wird im Schnitt zur Suche nach verwertbaren Sätzen.
    5. Handlungsaufforderung vergessen. Der Film endet mit dem Logo, und der Zuschauer weiß nicht, was jetzt.
    Kernaussage
    Streichen ist die eigentliche Arbeit am Drehbuch. Jeder Satz, der raus kann, macht die verbleibenden stärker.

    Vom Drehbuch zum Interviewleitfaden

    Nicht jeder Imagefilm arbeitet mit Sprechertext. Sobald Menschen selbst sprechen, ersetzt der Interviewleitfaden große Teile des Drehbuchs. Der Unterschied: Du schreibst keine Sätze vor, sondern Fragen, die brauchbare Sätze auslösen.
    Was funktioniert:
    • Offene Fragen statt Ja-Nein-Fragen, also „Was passiert hier an einem normalen Dienstag?" statt „Gefällt dir deine Arbeit?"
    • Nach Situationen fragen, nicht nach Meinungen. Konkrete Szenen ergeben konkrete Bilder im Kopf.
    • Die Frage im Antwortsatz mitdenken. Bitte die Person, in ganzen Sätzen zu antworten, damit die Frage später herausgeschnitten werden kann.
    • Zweimal fragen. Die zweite Antwort auf dieselbe Frage ist fast immer kürzer und besser.
    • Stille aushalten. Die drei Sekunden nach der scheinbar fertigen Antwort enthalten oft den besten Satz.

    Vier Drehbuchvarianten, die im Mittelstand funktionieren

    VarianteWann sie passtRisiko
    Sprecherfilmklare Botschaft, wenig Zeit vor Ortwirkt schnell werblich
    InterviewfilmVertrauen und Menschen im Fokussteht und fällt mit den Gesprächspartnern
    Prozessfilmerklärungsbedürftige Fertigungbraucht viel Drehzeit in der Produktion
    Kundenstimmestarker Referenzfall vorhandenAbhängigkeit von der Freigabe des Kunden
    In der Praxis sind Mischformen die Regel: ein Sprecherrahmen mit zwei bis drei O-Tönen. Wichtig ist nur, dass die Struktur vor dem Dreh feststeht, weil Interview und Sprechertext unterschiedliche Bildmengen brauchen.

    Untertitel gehören ins Drehbuch, nicht in die Nachbereitung

    Ein großer Teil der Wiedergaben auf Social Media startet ohne Ton. Wer Untertitel erst am Ende dazuplant, merkt zu spät, dass die wichtigsten Aussagen im Bild dort liegen, wo später der Text sitzt. Plane deshalb schon im Storyboard eine ruhige Zone im unteren Bilddrittel ein und halte Text im Bild kurz, weil Zuschauer beim Video nicht lesen, sondern überfliegen[1].
    Dasselbe gilt für die Länge. Je länger der Film, desto steiler fällt die Aufmerksamkeitskurve, kurze Fassungen werden deutlich häufiger zu Ende gesehen[2]. Deshalb steht bei uns im Drehbuch immer schon die Kurzfassung mit, nicht erst im Schnitt.

    Freigaben planen, sonst kippt der Zeitplan

    Der zweithäufigste Grund für verspätete Filme sind Abstimmungsschleifen. Was hilft:
    1. Eine Person entscheidet. Sammelfeedback aus fünf Abteilungen führt zu widersprüchlichen Anmerkungen.
    2. Freigabe des Drehbuchs schriftlich, bevor der Drehtag gebucht wird.
    3. Zwei Korrekturschleifen im Schnitt einplanen, mehr braucht es bei gutem Drehbuch nicht.
    4. Feedback gesammelt und mit Zeitcode, also „bei 0:34 fehlt der Hinweis auf die Zertifizierung", nicht „gefällt mir noch nicht".

    Wie es weitergeht

    Wenn das Drehbuch steht, ist der schwierigste Teil erledigt. Danach folgt der Drehtag, der bei guter Vorbereitung überraschend ruhig abläuft, und die Postproduktion mit Schnitt, Colorgrading und Untertiteln.
    Was das Ganze kostet und welche Faktoren den Preis treiben, steht im Artikel Imagefilm Kosten. Wie ein Drehtag in Köln konkret abläuft, inklusive Drehgenehmigungen und Locations, findest du unter Videoproduktion Köln. Den Überblick über alle Formate gibt die Seite Imagefilm erstellen lassen.

    Häufige Fragen

    Was gehört in ein Imagefilm-Drehbuch?+
    Ein Drehbuch enthält Storyline, Sprechertext, geplante Einstellungen und den Ablauf des Drehtags. Dazu kommen Hinweise zu Musik, Tonalität und Länge der einzelnen Abschnitte. Es ist die Arbeitsgrundlage für alle Beteiligten am Set.
    Wie lange dauert es, ein Drehbuch zu schreiben?+
    Für einen Imagefilm von 60 bis 120 Sekunden brauchen wir ein bis zwei Wochen, inklusive einer Abstimmungsrunde mit dem Kunden. Das klingt lang für zwei Seiten Text, ist aber die Phase, in der die meisten Entscheidungen fallen.
    Braucht ein Imagefilm überhaupt ein Drehbuch?+
    Ja. Ohne Drehbuch entsteht am Drehtag zufälliges Material, das im Schnitt nicht zusammenpasst. Die Korrektur kostet dann einen zweiten Drehtag, das Drehbuch hätte einen Nachmittag gekostet.
    Wie ist ein guter Imagefilm dramaturgisch aufgebaut?+
    Bewährt hat sich: Haken in den ersten fünf Sekunden, dann das Problem der Zielgruppe, dann die Lösung, dann ein konkreter Beleg und am Ende eine klare Handlungsaufforderung. Der Höhepunkt liegt bei etwa zwei Dritteln der Laufzeit.
    Was ist der Unterschied zwischen Drehbuch und Storyboard?+
    Das Drehbuch beschreibt in Text, was passiert und was gesagt wird. Das Storyboard zeichnet die einzelnen Einstellungen als Skizzen. Bei Realfilm reicht oft eine Shotlist, bei Animationen ist ein Storyboard Pflicht.
    Wer schreibt den Sprechertext?+
    Bei uns die Agentur, in enger Abstimmung mit dem Kunden. Wichtig ist, den Text laut zu lesen und zu stoppen: Etwa 140 bis 160 Wörter entsprechen einer Minute Sprechzeit, längere Texte passen nicht in den Film.
    Wie viele Korrekturschleifen sind üblich?+
    Zwei Runden am Drehbuch reichen in der Regel aus. Wichtig ist, dass alle Entscheider in der ersten Runde beteiligt sind, sonst kommen Grundsatzfragen erst nach dem Dreh auf den Tisch.
    Was ist eine Shotlist und wozu dient sie?+
    Die Shotlist ist die Liste aller benötigten Einstellungen mit Ort, Motiv und Länge. Sie sorgt dafür, dass am Drehtag nichts vergessen wird und dass genug Material für alle geplanten Schnittfassungen entsteht.

    Quellen

    1. Video Usability, Nielsen Norman Group
    2. Optimal Video Length, Wistia
    #Imagefilm#Drehbuch#Storytelling#Videoproduktion#Bewegtbild
    Josef Kujawski
    Autor
    Josef Kujawski
    Geschäftsführer & Creative Director bei Maluure

    Josef leitet die strategische und gestalterische Entwicklung von Marken bei Maluure. Seit über einem Jahrzehnt begleitet er mittelständische Unternehmen von der Markenpositionierung bis zur digitalen Umsetzung.

    Geschäftsführer der Maluure GmbH, Köln. Spezialisiert auf Corporate Design, Markenstrategie und digitale Markenerlebnisse.

    Newsletter

    Neue Artikel direkt ins Postfach.

    Ein Newsletter, wenn wir wirklich etwas Neues zu sagen haben. Kein Rauschen.

    Weiterlesen

    Weitere Blogthemen entdecken